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Was ist Tinnitus?

Ohrgeräusche (Tinnitus) sind ein weltweit häufig auftretendes Symptom. Man weiß, daß in Deutschland rund 3 Millionen Menschen unter einem für den Tinnitus charakteristischen Pfeifen oder Rauschen leiden. Für etwa 50% dieser Patienten führt dies zu schweren Beeinträchtigungen des Lebens.

Von einem subjektiven Tinnitus spricht man, wenn keine echte Schallquelle als Ursache nachweisbar ist. In diesen Fällen kann von einer fehlerhaften Informationsbildung oder Informationsverarbeitung im Hörsystem ausgegangen werden, die eine Kette von unerwünschten Aktivierungsprozessen ausgelöst haben.

Ohrgeräusche sind deshalb ein Symptom des Hörsystems, welches im Ohr beginnt und bis ins Hörgehirn reicht. Durch Untersuchungen von Hör- und Hirnaktivitäten konnte gezeigt werden, daß das Hörgehirn durch das Ohr solange überaktiviert werden kann, bis eine dauerhafte Überempfindlichkeit ("Sensibilisierung") oder eine Überaktivierung entsteht. Die Überempfindlichkeit oder die Überaktivierung für den chronischen Tinnitus bleibt sozusagen als fehlerhafte Programmierung im Hörgehirn „eingebrannt“ bestehen.

Tinnitus kann fast immer behandelt werden!

Der chronische Tinnitus und seine Folgen sind ein hochkomplexes Geschehen, das bei uns interdisziplinär behandelt werden soll. Manchmal läßt sich die Ursache feststellen und behandeln. Oder das Ohrgeräusch ist Teilsymptom einer anderen Kranheit, die dann behandelt werden kann. Liegt dies nicht vor, soll die Therapie die fehlerhafte Sensibilisierung oder die Überaktivierung aktiv zurücktrainieren. Ziel der Therapie ist es, die Überaktivierung oder die Sensibilisierung abzubauen und dadurch die Wahrnehmung der Tinnitusgeräusche in das Unbewußte abtauchen zu lassen. Man spricht deshalb auch von Hemmung der Überaktivierung oder von Desensibilisierung oder Habituation der Sensibilisierung.

Ohrgeräusche treten häufig gleichzeitig mit anderen Hörstörungen auf. Dazu gehören sowohl eine Schwerhörigkeit als auch eine gesteigerte Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis). Diese führen bei den Betroffenen zu einer Verstärkung des Krankheitsempfindens und müssen deshalb mitbehandelt werden. Auch können im Einzelfall Stress, Überlastungen, Mitbeteiligungen der Halswirbelsäule oder des Kauapparates eine Rolle spielen und werden dann ebenfalls in die Therapie mit einbezogen.

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